Artikel: Strong Voice Interview #42: Lea Lange
Strong Voice Interview #42: Lea Lange
Sie hat JUNIQE mitgegründet, erfolgreich verkauft und mit LUNARY noch einmal neu angefangen: Als Unternehmerin bewegt sie sich an der Schnittstelle von Business, Gesundheit und weiblicher Lebensrealität. Mit LUNARY entwickelt sie Produkte, die Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen gezielt unterstützen - von hormoneller Balance bis hin zu mentalem Wohlbefinden. Ihre Perspektive ist geprägt von eigenen Erfahrungen als Gründerin und Mutter von zwei Kindern - und von der Überzeugung, dass nachhaltiger Erfolg nur dann möglich ist, wenn wir unsere Energie bewusst schützen und gestalten.
In diesem Interview teilt sie, was sich in ihrem Verständnis von Führung, Erfolg und Vereinbarkeit verändert hat - und warum es nicht darum geht, allem gerecht zu werden, sondern den eigenen Weg bewusst zu definieren.
Du hast mit JUNIQE gegründet, verkauft und mit LUNARY noch einmal neu angefangen. Was hast du aus deiner ersten Gründung über Führung und Energie gelernt und was machst du heute ganz bewusst anders?
Als ich mein erstes Unternehmen gegründet habe, war ich erst 24 Jahre alt und ich habe eigentlich jahrelang nur gearbeitet. Das hat sich damals total richtig angefühlt. Heute bin ich 13 Jahre älter und Mama von 2 kleinen Jungs (5 und 6 Jahre). Mein Energielevel ist ein ganz anderes und ich möchte auch Zeit mit meinen Kids verbringen.
Ich glaube fest daran, dass ich meine Gesundheit und meine Energie schützen muss, damit ich eine gute Unternehmerin und Mama sein kann. Ich habe feste Routinen, ich treibe regelmäßig und unverhandelbar Sport, ich schütze meinen Schlaf und gehe meist sehr früh ins Bett und ich lege mein Handy am Wochenende weg. Bei meiner ersten Gründung war das wirklich grundlegend anders.
Das Thema Führung lebe ich anders: ich möchte gar nicht mehr in alle Details involviert werden, stecke aber Ziele sehr klar ab.
Mit LUNARY entwickelst du Produkte für Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen. Wann hast du zum ersten Mal gespürt, dass der weibliche Alltag wirtschaftlich und gesellschaftlich noch immer unterschätzt wird?
Ich habe das wirklich erst mit meiner ersten Schwangerschaft gespürt: die war nicht ganz einfach, vorher dachte ihc immer 'schwanger sei man nebenbei' und habe auch die ersten 25 Wochen so gehandelt.
Dann natürlich noch mal mehr, als mein erster Sohn ein paar Monate alt war und ich wieder voll gearbeitet habe. Man hat einfach so viele Hüte auf als berufstätige Mama von kleinen Kindern und es ist sehr wichtig, sich auch um die eigene mentale und physische Gesundheit zu kümmern: mit Routinen, Ernährung den richtigen Mikronährstoffen, Bewegung und ausreichend Schlaf.
Du bist Gründerin und Mutter. Wie fühlt sich diese Verbindung in deinem ganz konkreten Alltag an, jenseits aller Hochglanz-Narrative über Vereinbarkeit?
Die meiste Zeit, sehe ich meine Flexibilität als Gründerin als eine der Grundlagen für die Vereinbarkeit meines Jobs und meiner Kinder an: ich kann arbeiten wann ich will, von wo ich will und kann meinen Kalender voll kontrollieren und gestalten.
Es gab aber auch immer wieder Momente in meiner unternehmerischen Laufbahn, die nicht nach Plan gelaufen sind und in denen sich Vereinbarkeit eher wie ein Zerriss angefühlt hat: Als ich meinen zweiten Sohn zur Welt gebracht habe beispielsweise, waren wir gerade im Exit Prozess mit Juniqe und ich sass nach 3 Tagen wieder in Calls mit potenziellen Käufern und der M&A Agentur. Das hätte ich mir schon anders gewünscht.
Die meiste Zeit überwiegt bei mir aber der positive Blick darauf, dass ich mir meine Strukturen so bauen kann, dass es für die Familie, das Business und mich funktioniert. Ich glaube aber es ist wichtig, regelmäßig zu schauen, ob alles weiterhin passt oder man etwas an sinem Set-up anpassen oder ändern möchte.
Gibt es einen Moment am Tag, an dem du besonders stark merkst, wie viele Rollen du gleichzeitig trägst?
Mein Mann ist an 2-3 Tagen unter der Woche beruflich nicht in Hamburg. Da haben es die Morgende in sich. Und das, obwohl ich so viel es geht am Vorabend vorbereite.
Ich mache mich fertig, bevor ich die Jungs wecke. Mache Frühstück, zieh sie an, packe Rucksäcke und treibe sie an, um sie in den Kindergarten und in die Schule zu 'treiben' (ja, manchmal fühle ich mich dabei wie eine Kamel-Treiberin) um dann pünktlich und gut gelaunt vor 9 im Büro zu sitzen.
An einem Morgen die Woche gehe ich nach dem Schul-Drop erst einmal joggen und geniess die Ruhe. Früher bin ich teilweise vor 9 in die Bahn gestiegen um für Termine nach Berlin zu fahren, das versuche ich mittlerweile zu vermeiden.
Was hat sich an deinem Blick auf Erfolg verändert, seit du Mutter bist?
Total. Früher dachte ich immer, es geht vor allem um beruflichen Erfolg und das bedeutete bei mir ein großes und funktionierendes Unternehmen aufzubauen.
Heute geht es bei mir viel mehr um Balance und Nachhaltigkeit: ich möchte zwar immer noch ein nachhaltiges Unternehmen bauen, aber dabei auch genug Zeit haben, eine schöne und va. stressfreie Zeit mit meiner Familie zu verbringen und mich um mich und meine Gesundheit zu kümmern.
Seit dem zweiten Kind habe ich das Gefühl, die Zeit verfliegt nur so. Ich versuche also viel bewusster meine Zeit zu gestalten und zu füllen.
Was würdest du Frauen sagen, die Ambition, Familie und eigene Ansprüche verbinden möchten und sich dabei oft fühlen, als wären sie in keinem Bereich ganz genug?
Erst einmal würde ich sagen: ich kenne das Gefühl.
Ich glaube, das wichtigste ist, auf das zu hören, was einen selber glücklich macht und was man braucht und nicht zu denken, dass man sein Leben mit Business und Kindern genauso gestalten muss, wie es andere tun.
Es geht darum, die eigene Balance zu finden (was natürlich gar nicht leicht ist) und sich sein Leben, Set-up und seine Strukturen dementsprechend zu bauen.
Und: trust the process. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, aber es dauert auch einfach, bis man, insbesondere wenn man gerade frisch Mama geworden ist, für sich eine Antwort hat, wie man sich eigentlich in dieser neuen Phase aufstellen möchte.
Was ist immer in deiner Tasche und welche drei Dinge muss eine Tasche heute können, um dich wirklich zu unterstützen?
In meiner Tasche habe ich immer Carmex (ich bin leider abhängig;)), ,mein LUNARY Vitamin D und Omega-3 (damit ich es nicht vergesse) und jetzt gerade Pilates Socken, falls ich spontan Zeit finde in der Mittagspause zum Reformer zu gehen.
Für mich darf eine Tasche nicht zu schwer sein, sie muss ein bisschen robuster sein (da sie mit auf den Spielplatz etc muss) und sie muss mindestens ein Extrafach haben, für die Dinge, die ich schnell finden muss.





