Was mir als Introvertierte bei Bühnenauftritten hilft
Vor ein paar Jahren hätte mich allein der Gedanke, auf einer Bühne zu stehen, körperlich krank gemacht.
Meine Hände hätten gezittert, mein Herz gerast – und ich hätte so ziemlich alles getan, um einem Auftritt vor Publikum zu entkommen.
Ich bin nicht der Typ Mensch, der das Rampenlicht genießt. Ich mag tiefgehende Gespräche mehr als große Runden.
Und trotzdem – allein in diesem Monat stand ich auf zwei (ziemlich großen) Bühnen: einmal beim KMU-Tag und einmal beim Female Innovation Forum.
Nicht, weil ich plötzlich jemand anderes geworden bin – ich mag das Rampenlicht immer noch nicht – sondern weil ich mir keine Chancen entgehen lasse, nur weil ich Angst habe. Jedes Mal, wenn ich auf einer Bühne stehe, ist es außerhalb meiner Komfortzone. Und jedes Mal lerne ich etwas dazu. Vor allem: wie ich trotzdem ich selbst bleiben kann.

Wenn du also zu den Menschen gehörst, die beim Gedanken an öffentliche Auftritte lieber einen Schritt zurück machen – das hier ist für dich.
Hier sind fünf Dinge, die mir helfen, mich sicherer, klarer und ruhiger zu fühlen – auch wenn ich nervös bin.
1. Wenn ich kann: Ich mache ein Gespräch daraus
Wenn möglich, vermeide ich klassische „Präsentationen“ und frage lieber, ob wir das Format in ein Gespräch verwandeln können.
Panels, Interviews, Fragerunden – dort kann ich atmen, reagieren, und fühle mich einfach mehr wie ich selbst.
Ich muss die Bühne nicht „halten“. Ich kann sie teilen.
Das macht es für mich angenehmer – und für alle anderen meistens auch interessanter.
2. Niemand kennt dein Thema so gut wie du
Das muss ich mir jedes Mal aufs Neue sagen.
Hallo, Impostor-Syndrom.
Warum ausgerechnet ich?
Aber die Wahrheit ist: Wenn du eingeladen wurdest, dann, weil du etwas beizutragen hast – deine Perspektive, deine Geschichte, deine Erfahrung.
In meinem Fall? Niemand kennt die Gründungsgeschichte von ALEMI so gut wie ich.
Und mir hilft es, nicht in Allgemeinplätzen zu sprechen, sondern aus meiner Perspektive – die ist schwerer zu kritisieren und leichter zu vertreten ;)
3. Sei du selbst – auch wenn du leise bist
Auf der Bühne zu stehen heißt nicht, jemand anderes zu werden.
Meine bisher größte „Bühne“ war bei OMR – fast 2.000 Menschen im Publikum.
Ich saß neben Céline Flores Willers, die ich sehr für ihre Energie und Präsenz bewundere.
Sagen wir’s so: Es wäre ziemlich peinlich gewesen, wenn ich versucht hätte, ihren Stil zu kopieren.
Stattdessen war ich einfach ich. Ruhiger. Konzentriert. Ehrlich.
Und weißt du was? Das hat nicht nur viel weniger Energie gekostet, als jemand anderes zu spielen – es war auch glaubwürdiger. Und echter.
4. Trag, worin du dich wohlfühlst
Jede*r hat ihr oder sein eigenes „Power Outfit“ – das, in dem man sich sicher fühlt.
Bei mir sind es meistens (nicht zu hohe) Absätze und ein Business-Look, der gut sitzt, aber nicht einengt.
Keine weißen Blusen (man sieht sofort, wenn man schwitzt), lieber ein Blazer. Und wenn es ein Rock ist, dann bitte Midi – falls man auf der Bühne mal sitzen muss.
Und natürlich: eine ALEMI.
Wenn ich meine HELVETIA dabeihabe, ist das wie ein stilles Zeichen an mich selbst: Du kannst das.
5. Bleib menschlich
Perfektion ist langweilig.
Menschen verbinden sich nicht mit Perfektion, sondern mit Geschichten, mit Ehrlichkeit, mit jemandem, der sowohl Erfolge als auch Unsicherheiten teilt.
Ich versuche, mich selbst nicht zu ernst zu nehmen.
Ich spreche, wie ich mit einer Freundin sprechen würde. Ich erzähle, was ich gelernt habe – und wo ich danebenlag.
Und ich habe festgestellt: Je offener ich auf der Bühne bin, desto ehrlicher sind die Gespräche danach.
Echte Verbindung entsteht, wenn wir aufhören, etwas vorzuspielen.
Und mal ehrlich – niemand braucht einen Schwanzvergleich. (Ja, ich hab’s gesagt.)
Am Ende gilt: Sichtbarkeit muss nicht laut sein. Nur ehrlich.
Als Gründerin habe ich verstanden, wie wichtig Sichtbarkeit ist.
Jedes Mal, wenn ich auf der Bühne stehe, hört jemand zum ersten Mal von ALEMI.
Und allein das ist es wert.
Also mache ich weiter. Zeige mich. Und du kannst das auch.




